KIT: Verdeutlichung unserer Standpunkte (25. Mai 2010)

Wie bereits erwähnt hatten auch wir im Vorfeld der Tierbefreiungstage gewisse Bedenken gegenüber der TAN, die jedoch durch ausführliche Gespräche für uns beseitigt werden konnten. Im Nachhinein betrachtet war uns zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht in dem Umfang bewusst, dass es über unsere Gruppe hinaus, für einen Großteil der in die Szene involvierten Gruppen und Einzelpersonen, nicht einsehbar sein würde, dass die gegen TAN erhobenen Vorwürfe haltlos sind. So sind wir davon ausgegangen, dass es für uns im Zweifelsfall im Einzelgespräch möglich sein würde, zu begründen, weshalb wir es tragbar – und ebenso wichtig – finden, die TAN einzuladen. Es war uns jedoch offensichtlich nicht möglich mit den Inhalten, die wir veröffentlichen konnten, unsere Position zu verdeutlichen.

Nachwievor respektieren wir die Beweggründe der TAN im Zuge des Verlaufs der Hamburger Debatte keine öffentliche Stellungnahme zu verfassen, sehen jedoch auch aufgrund des Verlaufs der hiesigen Diskussionen, dass dies im Gegenzug weiterhin verhindert, dass sich Gruppen und Einzelpersonen ein differenziertes Bild über die Hintergründe der Gruppe bilden könnnen. Aus dieser Perspektive wäre eine Klarstellung der TAN zu den ihnen gegenüber erhobenen Vorwürfen sicherlich wünschenswert.

Für uns bleibt es aber dabei dass wir weder als Mittelsmenschen für die Positionen und Hintergründe der TAN fungieren wollen noch können.

Zwar halten auch wir eine Nicht-Positionierung grundsätzlich für problematisch, jedoch im spezifischen Fall der Hamburger Debatte und wie sie aus Sicht der TAN verlaufen ist, für verständlich. Dabei geht es uns nicht darum, die Parteilichkeit für Betroffene in Frage zu stellen, welcher auch aus unserer Sicht große Bedeutung zukommt, sondern anzuerkennen, dass in Hamburg über dieses Anliegen hinaus, politische Differenzen auf öffentlicher Bühne ausgetragen wurden.

Das hypothetische Weiterrechnen davon, wer (ohne überhaupt in die Hamburger Vorfälle involviert zu sein) durch welches (Nicht-)Verhalten nun angeblich alles zum/zur Täterschützer_in wird, halten wir für sowohl gefährlich, als auch am konkreten Anliegen vorbei, die Situation für die Betroffene zu verbessern und zu entspannen.

Uns aufgrund einer Solidarisierung mit der TAN als Täterschützer_innen zu verurteilen, ist an den Haaren herbeigezogen. Diesen Vorwurf weisen wir vehement zurück. Eine Solidarisierung aufgrund der Ausladung des Hansa48-Kollektiv’s, hat nichts damit zu tun, welche Standpunkte wir bezüglich Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, vertreten.
Wir können nur nochmal wiederholen, dass Definitionsmacht für uns ein grundlegendes und unverzichtbares Konzept ist, um gegenüber bürgerlicher Rechtsprechung Schutzräume für Betroffene zu schaffen und zu halten. Das jedoch “kein Platz für Thematisierung von Sexismus gegeben” wäre (aus dem Brief von mhg vom 19.05.2010), hätte die TAN in der Hansa48 referiert, ist haltlos. Im Gegenteil wurde dies seitens der TAN sogar mehrfach betont.

Wir sind uns der Sensibilität des Themas bewusst und es ist uns ein Anliegen, dass die Debatte hier in Kiel nicht ein weiteres Mal verläuft wie in Hamburg geschehen und damit einen Großteil der Szene untereinander aufspaltet.

Aufgrund der fehlenden öffentlichen Gegendarstellungen finden wir Verständnis für die Entscheidung der Hansa48, so sehr wie diese dennoch bedauern; und hoffen, mit diesem Schreiben nochmals unsere Positionen verdeutlicht zu haben.

Um allen Interessierten die Möglichkeit zu bieten sich zu informieren und die nötige Transparenz zu gewährleisten, werden alle Texte auf der Seite: tierbefreiungstage.blogsport.de veröffentlicht.

Kieler Initiative für Tierbefreiung {KIT} | 25. Mai 2010